Die wirtschaftliche Lage in
der Bundesrepublik
Deutschland im Februar 2010
MAAS RHEIN. Die
Erholung der deutschen Volkswirtschaft vom Wirtschaftseinbruch
im Winterhalbjahr 2008/2009 hat im Jahresschlussquartal 2009
eine Pause eingelegt. Die Wirtschaft bleibt in ihrer
Grundtendenz aber auf Erholungskurs. Dieser wird allerdings
Anfang des Jahres noch durch überdurchschnittliche
witterungsbedingte Produktionsbehinderungen überlagert. Das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte im vierten Quartal
preis-, kalender- und saisonbereinigt [2] gegenüber dem
Vorquartal (+0,0 Prozent) [3]. Zuvor hatte sich die
Wirtschaftsleistung nach dem Einbruch im Winterhalbjahr im
zweiten Quartal um 0,4 Prozent und im dritten Quartal um 0,7
Prozent erholt. In der Verlaufsentwicklung kamen positive
Impulse im vierten Quartal 2009 lediglich vom Außenhandel.
Die Konsumausgaben und Investitionen gingen dagegen zurück.
Nicht zuletzt die Tatsache, dass die Pkw-Umweltprämie im
September ausgelaufen ist, hat im Jahresschlussquartal ihre
Spuren hinterlassen. Die witterungsbedingten
Produktionsausfälle dürften hingegen im Frühjahr schnell
aufgeholt werden und die deutsche Wirtschaft im weiteren
Jahresverlauf 2010 wieder Fahrt aufnehmen.
Der Aufholprozess im
Produzierenden Gewerbe schwächte sich im Jahresschlussquartal
2009 merklich ab. Unter anderem dürfte hierzu neben
abnehmenden Impulsen der Pkw-Absatzförderung auch der etwas
strengere Winterbeginn beigetragen haben. Die Gesamterzeugung
im Produzierenden Gewerbe nahm somit im vierten Quartal preis-
und saisonbereinigt nur um 0,3 Prozent gegenüber dem
Vorquartal zu. Dabei verringerte sie sich im Dezember
gegenüber dem Vormonat um 2,6 Prozent. Hierzu trug der
Rückgang der Industrieproduktion um 2,8 Prozent bei.
Gleichwohl erhöhte sich die Industrieproduktion im vierten
Quartal insgesamt noch um 1,0 Prozent. Ihr Vorjahresniveau
unterschritt sie dabei kalenderbereinigt um 10,6 Prozent. Zum
Höchststand der Industrieproduktion im ersten Quartal 2008
ergab sich im Jahresschlussquartal 2009 aber immer noch ein
Abstand von gut -18 Prozent. Die Erholung der
Auftragseingänge in der Industrie schlug im vierten Quartal
2009 ebenfalls eine merklich langsamere Gangart ein, sie
erhöhten sich preis- und saisonbereinigt um 0,7 Prozent.
Dabei gingen die Bestellungen im Dezember zum Jahresabschluss
merklich um 2,3 Prozent zurück, nachdem sie im Vormonat
erheblich aufwärts korrigiert um 2,7 Prozent zugenommen
hatten. In der Grundtendenz dürfte die Nachfrage weiter
aufwärts gerichtet bleiben, allerdings mit gedämpfter
Dynamik. Vor allem die moderatere Entwicklung in der
Fahrzeugbranche und in deren vorgelagerten Industriezweigen
bremste die Auftragseingänge im Jahresschlussquartal. Die
Auftriebskräfte dürften in der Industrie insgesamt aber
weiterhin die Oberhand behalten. Dies unterstreicht auch die
sukzessive Erholung des ifo-Geschäftsklimas im Verarbeitenden
Gewerbe.
Die Erzeugung im
Bauhauptgewerbe wurde auch angesichts eines strengen
Winterbeginns im Jahresschlussquartal um 1,8 Prozent
eingeschränkt. Im Dezember ging die Produktion um preis- und
saisonbereinigt 2,6 Prozent zurück. Die Perspektiven für die
Bautätigkeit können dennoch weiterhin als verhalten positiv
eingeschätzt werden. Zwar nahmen die Auftragseingänge im
November preis- und saisonbereinigt um 2,6 Prozent ab und
gingen auch im Dreimonatsvergleich um 2,9 Prozent zurück,
obwohl spürbare Impulse aus dem Hochbau kamen. Die Anregungen
aus den Konjunkturpaketen, die sich nicht zuletzt auf das
Ausbaugewerbe auswirken, sollten aber weiter zunehmen und die
Baukonjunktur nach den witterungsbedingten Baubehinderungen
weiter stützen.
Die privaten Konsumausgaben
haben im Jahresschlussquartal die konjunkturelle Entwicklung
gedämpft. Zwar nahmen die Einzelhandelsumsätze im engeren
Sinne, also ohne den Kraftwagenhandel, im Dezember preis- und
saisonbereinigt um 0,9 Prozent zu und lagen auch im gesamten
vierten Quartal 0,4 Prozent über dem Niveau des Vorquartals.
Daneben setzte aber als Reaktion auf die ausgeschöpfte
Pkw-Umweltprämie der Handel mit Kraftfahrzeugen
erwartungsgemäß seinen Abwärtstrend fort. Die weiteren
Aussichten bleiben wohl zunächst gedämpft. Dabei stehen
Risiken auf dem Arbeitsmarkt steuerlichen Entlastungen sowie
weiteren Entlastungen für Familien gegenüber.
Der Außenhandel liefert
derzeit konjunkturelle Impulse. Die deutschen Ausfuhren an
Waren nahmen im Dezember weiter kräftig um saisonbereinigt
3,0 Prozent und im gesamten vierten Quartal um 5,1 Prozent zu.
Gleichzeitig kam es bei den Einfuhren nach der Abschwächung
in den beiden Vormonaten im Dezember zwar zu einer kräftigen
Gegenreaktion (+4,5 Prozent). Unter dem Strich ergab sich
dennoch im vierten Quartal bei schwacher Binnennachfrage ein
Rückgang der Einfuhren um 1,8 Prozent und damit im
Jahresschlussquartal im Ergebnis ein kräftiger
Wachstumsbeitrag des Außenhandels. Das weltwirtschaftliche
Umfeld sowie die einschlägigen Indikatoren sprechen insgesamt
für die Fortsetzung der Erholung des Außenhandels, die
allerdings mit gedämpfter Dynamik erfolgen dürfte.
Der Arbeitsmarkt zeigt sich
beim Jahreswechsel weiterhin widerstandsfähig. Die
Arbeitslosigkeit nahm im Januar lediglich im jahreszeitlich
üblichen Umfang zu und erhöhte sich saisonbereinigt nur um
6.000 Personen. Insgesamt wurden im Januar 3,617 Mio.
Arbeitslose gezählt, 129.000 mehr als vor einem Jahr. Die
Zahl der Erwerbstätigen nahm im Dezember saisonbereinigt
sogar um 6.000 zu. Nach den Ursprungszahlen gab es 40,42 Mio.
Erwerbstätige und damit nur 139.000 weniger als vor einem
Jahr. Der Beschäftigungsabbau wird weiterhin erheblich durch
ein hohes Maß an Arbeitszeitflexibilität gedämpft. Das
Halten von Beschäftigung dämpft aber auch die
Produktivität. Angesichts der stark unterausgelasteten
Kapazitäten bleibt der Druck auf dem Arbeitsmarkt somit hoch.
Gleichwohl deuten die Frühindikatoren trotz abnehmender
Entlastung durch Kurzarbeit keinen deutlich beschleunigten
Kräfteabbau an.
Die Preisentwicklung
verläuft insbesondere auf der Verbraucherstufe sehr ruhig.
Die Verbraucherpreise lagen im Januar um 0,8 Prozent über dem
Vorjahresniveau. Hierzu trug bei, dass die Energiepreise über
ihrem Niveau vor einem Jahr lagen (+0,9 Prozent) und sich die
Ausgaben für Verkehr kräftig erhöhten (+4,5 Prozent). Die
Kerninflationsrate - ohne Energie und saisonabhängige
Nahrungsmittel - sank leicht auf niedrige +0,8 Prozent.
Gegenüber dem Vormonat nahmen die Verbraucherpreise im Januar
saisonbedingt etwas stärker um 0,6 Prozent ab,
saisonbereinigt gingen sie um 0,1 Prozent zurück.
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