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IHKs Ruhrgebiet: Nach
Schussfahrt ist die Talsohle erreicht!
MAAS RHEIN. "Die
wirtschaftliche Lage im Ruhrgebiet ist äußerst angespannt.
Doch die Talsohle ist erreicht, die konjunkturelle Wende ist
eingeleitet." Das betonte Thomas Hüttemann, Präsident
der in diesem Jahr federführenden Niederrheinischen
Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve, bei der
Vorstellung des aktuellen Konjunkturberichts der IHKs im
Ruhrgebiet in Duisburg. An der Umfrage haben sich über 1.000
Unternehmen (rund 180.000 Beschäftigte) beteiligt.
Hüttemann: "Wir haben
in Folge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise eine
Schussfahrt erlebt. Mehr Unternehmen als noch zu Jahresbeginn
sehen sich heute in einer schlechten Verfassung. Dies gilt
besonders für die Industrie, die bei ihrer
Kapazitätsauslastung den niedrigsten Wert seit über 20
Jahren verzeichnet. Aber die Auftragslage bessert sich - im
Inland wie auch im Exportgeschäft. Die Abwärtsbewegung ist
gestoppt. Wir haben Anzeichen für eine konjunkturelle
Erholung."
Dies spiegelt sich auch im
IHK-Konjunkturklimaindex wider. Er ist nach dem bisher
stärksten Rückgang zu Jahresanfang wieder von 78 auf 94
Punkte angestiegen. Wie es in dem IHK-Bericht weiter heißt,
geben zwar derzeit nur rund 18 % der Betriebe der Konjunktur
das Prädikat "gut" und 30 % bewerten sie als
"schlecht" (Jahresbeginn 25 : 23 %), aber jedes
zweite Unternehmen (52 %) urteilt immerhin mit
"befriedigend".
Erheblich besser als zu
Jahresbeginn ist jetzt die Stimmung. Jeder vierte Betrieb (23
%) erwartet eine wirtschaftliche Belebung. Das sind fast
dreimal so viele wie noch vor wenigen Monaten. Damals ging
jedes zweite Unternehmen von einer Abwärtsbewegung aus.
Dieser Anteil hat sich mittlerweile mehr als halbiert (23 %).
Damit halten sich Optimisten und Skeptiker die Waage.
Besonders spürbar ist der Umschwung in der Industrie. Hier
überwiegen sogar leicht die positiven Stimmen. Aber auch im
Handel und im Dienstleistungsgewerbe hat die Zahl der
Optimisten erheblich zu- und die der Pessimisten ebenso
deutlich abgenommen.
Binnennachfrage: Licht und
Schatten
Seit Jahresbeginn hat sich
der Anteil der Industrieunternehmen mit steigenden
Auftragseingängen aus dem Inland fast verdreifacht - von 5
auf 14 %. Gleichzeitig ist die Zahl der Betriebe mit
Rückgängen spürbar gesunken - von 63 auf 40 %. Damit fehlt
es zwar noch an Schwung, aber die Richtung stimmt. Der
Einzelhandel registriert eine bisher relativ stabile
Umsatzentwicklung. Jeweils ein Drittel der Unternehmen
berichtet über gestiegene (32 %) bzw. gesunkene (35 %)
Erlöse (Jahresbeginn 32 : 39 %). Anders der Großhandel: Hier
stehen jedem Betrieb mit steigenden (20 %) mehr als drei
Unternehmen mit sinkenden Umsätzen (63 %) gegenüber.
Ähnlich ist die Entwicklung im Dienstleistungsgewerbe (21 :
51 %).
Exportmotor wieder
angesprungen
Anzeichen für eine
allmähliche Besserung verspürt jetzt wieder die
Exportwirtschaft. Meldeten zum Jahresbeginn zwei von drei
Industrieunternehmen (66 %) rückläufige Bestellungen aus dem
Ausland, so hat sich dieser Anteil inzwischen halbiert (34 %).
Gleichzeitig berichtet jedes sechste Unternehmen über wieder
steigende Bestellungen (17 %; Jahresbeginn: 10 %). Damit ist
der Exportmotor zumindest wieder angesprungen. Nach
Einschätzung der Unternehmen könnte er im nächsten Jahr
wieder runder und kräftiger laufen: 22 % gehen von
steigenden, 18 % von rückläufigen Auslandsumsätzen aus
(Jahresbeginn 15 : 39 %).
Erträge weiter eingebrochen
- Abwarten bei Investitionen
Mehr als jedes zweite
Unternehmen (56 %) meldet derzeit Rückgänge bei den
Erträgen - eine weitere Verschlechterung gegenüber dem
Jahresbeginn (39 %). Besonders betroffen ist die Industrie (69
%). Entsprechend verhalten ist die Investitionsneigung. Wie zu
Jahresbeginn will auch jetzt jedes siebte Unternehmen (14 %)
seine Investitionsausgaben steigern. Der Anteil derjenigen,
die Kürzungen vorsehen, ist leicht von 30 auf 26 %
zurückgegangen. Wo Investitionen vorgesehen sind, stehen
Ersatzbeschaffungen (69 %) und Rationalisierungsmaßnahmen (32
%) an erster Stelle. Gestiegen ist aber auch der Anteil der
Unternehmen mit Investitionen in Produktinnovationen (28 %)
und - noch auf niedrigem Niveau - die Zahl der Betriebe, die
Kapazitätserweiterungen vornehmen wollen (20 %).
Arbeitsplätze: Noch kein
Durchbruch
Jedem Unternehmen, das in den
nächsten zwölf Monaten zusätzliche Arbeitsplätze schaffen
will (9 %), stehen drei Betriebe (27 %) gegenüber, die von
einer sinkenden Belegschaftszahl ausgehen. Dieses Verhältnis
ist zwar nicht mehr ganz so negativ wie zu Jahresbeginn (8 :
30 %), zeigt aber deutlich die anhaltenden Risiken auf. Dies
gilt für alle Wirtschaftszweige. IHK-Präsident Hüttemann:
"Auch daran können wir ablesen, dass wir noch viel
aufzuholen haben. Klar ist: Das kommende Jahr wird nicht
einfach. Helfen kann hier eine Politik, die Vertrauen schafft,
auf Wachstum setzt und die Finanzen stabilisiert. Dringend
korrigiert werden müssen die Fehler der
Unternehmensteuerreform. Dies gilt ebenso für die
Erbschaftsteuer."
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