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Ausufernde Soziallasten -
Landrätin Irrgang und Kämmerer Cortner stellten Eckwerte des
Haushaltsentwurfs vor
KREIS SOEST. Im Zeichen
ausufernder Soziallasten und immer höherer Aufwendungen für den
Jugendamtsbereich steht der Etatentwurf 2010. Bei der Vorstellung
der Eckdaten für den neuen Haushalt, der am 17. Dezember in den
Kreistag eingebracht werden soll, forderten Landrätin Eva Irrgang
und Kreiskämmerer Heinz Cortner angesichts der immer dramatischeren
Lage während eine Pressekonferenz am Freitag, 16. Oktober 2009,
Hilfen von Bund und Land: „Die eklatanten Finanzprobleme von
Städten und Gemeinden, Kreisen und Landschaftsverbänden können
nicht alleine auf der kommunalen Ebene gelöst werden. Soziales und
Jugend sind in hohem Maße gesamtstaatliche Aufgaben. Die kommunale
Ebene allein ist hier mit der steigenden Finanzlast hoffnungslos
überfordert.“
Kämmerer Heinz Cortner
verdeutlichte die Entwicklung mit Zahlen. In den vergangenen zehn
Jahren sind die Sozialleistungen des Kreises von 70,6 Mio. (2001) um
43,5 Mio. auf 114,1 Mio. Euro (2010) angestiegen. Die Ausgaben für
allgemeine Kreisaufgaben außerhalb des Sozialbereichs stiegen im
gleichen Zeitraum lediglich von 24 auf 27,2 Mio. Euro, und zwar
bedingt durch externe Einflüsse. Auch die durch die Finanz- und
Wirtschaftskrise weniger kräftig sprudelnden Steuerquellen wirken
sich negativ auf den neuen Haushalt aus. Erhielt der Kreis 2009 noch
28,9 Mio. Euro Schlüsselzuweisungen vom Land, sind es im kommenden
Jahr 27,9 und damit eine Mio. Euro weniger.
So wird der Haushaltsausgleich 2010
schwierig. Prognostizierten Ausgaben von 307,4 Mio. Euro (2009:
267,7 Mio.) stehen Erträge von lediglich 301,5 Mio. Euro (2009:
267,7 Mio.) entgegen. Das Defizit von 5,9 Mio. Euro kann nur mit
einem Griff in die so genannte Ausgleichsrücklage gedeckt werden.
Dabei handelt es um nichts anderes als Werteverzehr. Denn die
Ausgleichsrücklage als Teil des Eigenkapitals besteht beim Kreis
Soest nicht aus liquiden Mitteln, sondern aus als Anlagevermögen
gebundenes Kapital, das eigentlich nicht veräußerbar ist (zum
Beispiel Kreishaus, Kreisstraßen oder Schulen).
„Angesichts der negativen
Entwicklung sind Erhöhungen von Kreis- und Jugendamtsumlage
unvermeidbar“, betonte Kämmerer Heinz Cortner. So könnte die
Kreisumlage nach jetzigem Stand um 5,05 Prozentpunkte (19,9 Mio.
Euro) auf 43,8 Prozent (141,3 Mio. Euro) ansteigen, die
Jugendamtsumlage um 5,78 Prozentpunkte (9,7 Mio. Euro) auf 21,64
Prozent (34,8 Mio. Euro). „Von der notwendigen Anhebung der
allgemeinen Kreisumlage um 19,9 Mio. Euro entfallen auf
Entscheidungen des Kreises mit den Städten und Gemeinden lediglich
700.000 Euro, die für die Verbraucherzentrale, das Bildungsbüro,
das Bündnis für Familie und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft
verwendet werden. Alles andere ist extern bedingt und vom Kreis
nicht beeinfluss- und steuerbar“, stellte der Finanzchef der
Kreisverwaltung klar.
Die Personalkosten steigen im neuen
Etat um 2,4 Mio. auf 51,8 Mio. Euro. 1,1 Mio. Euro vom Plus sind
über Rettungsdienstgebühren refinanzierbar, weil sie sich aus der
Übernahme der Rettungswachen vom DRK (Lippetal) und vom Malteser
Hilfsdienst (Erwitte) ergeben. Der Rest soll intern aufgefangen
werden. Für 250.000 Euro soll die dringende Modernisierung des
Gebäudes Steinstraße 9 in Lippstadt (Kfz-Zulassungsstelle) in
Angriff genommen werden. Die Schülerfahrkosten steigen von um 0,2
Mio. auf 2,665 Mio. Euro. Trotz der schwieriger werdenden Lage am
Arbeitsmarkt sind für die Kosten der Unterkunft einschließlich der
einmaligen Hilfen wie im Vorjahr 40,8 Mio. Euro eingeplant. Als
problematisch in diesem Zusammenhang kennzeichnete Kämmerer Cortner
den Rückzug von Bund und Land aus der Bezuschussung. Es fließen
4,25 Mio. Euro weniger (24,04 Mio. Euro 2009, 19,8 Mio. Euro 2010).
Landrätin Irrgang und Kämmerer
Cortner stellten in diesem Zusammenhang Erfolge bei den Bemühungen
heraus, Städte und Gemeinden so weit wie möglich zu entlasten. Der
Kreis habe in den vergangenen drei Jahren eigene Verbesserungen von
rund 40,4 Mio. Euro an die Städte und Gemeinden weitergegeben und
deshalb nichts zurücklegen können, um schwierige Jahre
auszugleichen. Außerdem seien die Konsolidierungsbemühungen des
Kreises Daueraufgabe. Mit Hilfe von Aufgabenkritik, Optimierung von
Geschäftsprozessen und Überprüfung von Standards im Zuge der
Fachkonzepte erfolgten weitere strukturelle Einsparungen in den
kommenden Jahren. 2009 habe der Kreis die sich abzeichnenden
Verschlechterungen, zum Beispiel die Erhöhung der Landschaftsumlage
um 4,4 Mio. Euro, nicht an die Gemeinden weitergegeben und in
derzeit prognostiziertes Defizit für den Kreishaushalt 2009 in
Höhe von rund 8,5 Mio. Euro in Kauf genommen. Mit der erlassenen
Haushaltssperre werde zurzeit aus eigener Kraft gegengesteuert.
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