Diskussion über Gewerbesteuer
nachrangig
MRZ. Angesichts der
schwersten Finanzkrise der Kommunen seit Gründung der
Bundesrepublik begrüßt der Städte- und Gemeindebund NRW die
Ankündigung von Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble, eine
Gemeindefinanzreformkommission unter Beteiligung der kommunalen
Spitzenverbände einzuberufen. In dieser sollen die kommunalen
Einnahmen und Ausgaben analysiert sowie Alternativen zur
Finanzierung der Kommunen aufgezeigt werden.
„Die Städte und Gemeinden
brauchen rasch eine Perspektive, wie sie künftig wieder
ausgeglichene Haushalte erreichen können“, erklärte der
Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Dr. Bernd Jürgen Schneider,
in Düsseldorf. Durch immer neue oder erweiterte Aufgaben ohne
adäquaten Kostenersatz seien die finanzielle Handlungsfähigkeit
und damit die Grundlagen kommunaler Selbstverwaltung verloren
gegangen. Bundesweite Fehlbeträge der Kommunen von mehr als zwölf
Mrd. Euro, wie sie allein für 2010 erwartet werden, zeigen, dass
die Kommunen aus eigener Kraft das Ruder nicht herumreißen
könnten.
Besorgt reagiert der Städte- und
Gemeindebund NRW auf Meldungen aus Berlin, wonach der
Bundesfinanzminister insbesondere über die Abschaffung der
Gewerbesteuer sprechen wolle. „Wir waren immer bereit und sind es
auch heute, Gespräche über alternative Finanzierungsformen zu
führen“, machte Schneider deutlich. Allerdings bestünden mit
Blick auf bereits diskutierte und durchgerechnete Vorschläge
erhebliche Zweifel, ob ein neues Modell die kommunalen Einnahmen
stärken sowie stabilisieren und gleichzeitig eine Verschiebung der
Lasten von Unternehmen auf die Bürgerinnen und Bürger vermeiden
könne. Dabei vertrauten die Kommunen auf die Zusage von
Bundeskanzlerin Angela Merkel aus dem Jahr 2009, die Gewerbesteuer
nicht gegen das Votum der Kommunen durch andere Konstruktionen zu
ersetzen.
Aus Sicht des Städte- und
Gemeindebundes NRW sei die Diskussion über eine einzelne Steuer
ohnehin nicht das wichtigste Thema in der
Gemeindefinanzreformkommission. Dringlicher sei eine Beschäftigung
mit der Ausgabensituation. Schneider wies darauf hin, dass die
kommunalen Haushalte in NRW allein durch die vier - vom Bund den
Kommunen übertragenen - Aufgaben „Eingliederungshilfe für
behinderte Menschen“, „Kosten der Unterkunft unter Hartz IV“,
„Grundsicherung im Alter“ sowie „Hilfe zur Pflege“ mit mehr
als 8,5 Milliarden Euro jährlich belastet würden.
Daraus - so Schneider - seien zwei
zentrale Konsequenzen zu ziehen. Zum einen müsse sich der Bund
dauerhaft und angemessen an den explodierenden Sozialausgaben
beteiligen. Zum anderen müsse der Bund rasch entscheiden, wie viel
Sozialstaat sich die Gesellschaft noch leisten könne. „Ein
strikter Sparkurs ohne Eingriffe in Leistungsgesetze ist kaum
vorstellbar“, betonte Schneider abschließend.
|