Konjunkturbarometer
Rheinland:
Erwartungen optimistisch, Stimmung gedrückt
MRZ. Die Unternehmen im
Rheinland erwarten, dass sich ihre wirtschaftliche Lage weiter
bessert und gehen mehrheitlich zuversichtlich in das Jahr 2010. Die
Geschäftslage hat sich in den zurückliegenden Monaten zwar
verbessert, die Stimmung bleibt jedoch weiterhin gedrückt. Dies ist
das Ergebnis der Konjunkturumfragen der Industrie- und
Handelskammern im Rheinland (Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf,
Köln und Mittlerer Niederrhein) zum Jahresbeginn, an der sich über
2.100 Unternehmen beteiligt haben.
Seit dem Herbst 2009 hat sich die
Situation der Unternehmen deutlich verbessert. 21 Prozent der
Befragten bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 29 Prozent
sind hingegen weiterhin unzufrieden. "Gut geht es insbesondere
dem Ernährungsgewerbe. Trotz des schwierigen wirtschaftlichen
Umfelds melden 34 Prozent der Unternehmen eine gute
Geschäftslage", erklärt Jürgen Drewes,
Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen
(IHK). "Nur fünf Prozent sind mit der aktuellen Geschäftslage
unzufrieden. Damit hat sich die wirtschaftliche Situation des
Ernährungsgewerbes trotz der Krise zum dritten Mal in Folge
verbessert."
Hohe Erwartungen an die
wirtschaftliche Entwicklung haben sowohl die Kunststoff- als auch
die Chemische Industrie. "Insbesondere das hohe Niveau der
Geschäftserwartungen in der Chemischen Industrie gibt Anlass zur
Hoffnung", erläutert Drewes. "Denn die Branche ist ein
wichtiger Frühindikator für die gesamtwirtschaftliche
Entwicklung."
Angespannt bleibt dagegen die Lage
im konjunktursensiblen Maschinen- und Fahrzeugbau. Trotz
Aufwärtstendenzen bezeichnet die Hälfte der Unternehmen ihre
gegenwärtige Lage als schlecht, nur jeder sechste Betrieb als gut.
Gleichzeitig stagnieren die Geschäftserwartungen auf gutem Niveau.
"Wegen der Abwrackprämie und der dadurch vorgezogenen
Pkw-Käufe im vergangenen Jahr steht der Fahrzeugbau vor schweren
Zeiten", prognostiziert Dr. Herbert Ferger,
Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Vieles hänge von der
Entwicklung der globalen Wirtschaft und der Nachfrage aus dem
Ausland ab. "Hier gibt es aber positive Signale, denn die
Exporterwartungen sind in dieser Branche deutlich höher als
zuletzt", so Ferger weiter.
Verbessert zeigt sich der
Dienstleistungssektor. Hier beschreibt die Mehrheit der Unternehmen
die aktuelle Geschäftslage als gut. Von den Folgen der
Wirtschaftskrise ist vor allem die Logistikbranche getroffen.
"Da die Auftragslage in dieser Branche vom allgemeinen
Produktionsaufkommen und Handelsvolumen abhängt, zeigt sie an, wie
sich die gesamtwirtschaftliche Konjunktur entwickelt", so
Drewes. Trotz einer Verbesserung gegenüber dem zurückliegenden
Herbst melden nur neun Prozent der Betriebe eine positive
Geschäftslage. Und die Erwartungen sind entgegen dem allgemeinen
Trend rückläufig. "Vieles wird für die Logistikbranche davon
abhängen, ob sich die wirtschaftliche Entwicklung so fortsetzt wie
bisher und die insgesamt positiven Erwartungen der Unternehmen
erfüllt werden", fasst Drewes zusammen.
In diesem Zusammenhang ist die
Frage nach ausreichenden Finanzierungsmitteln von enormer Bedeutung.
"Wir stellen fest, dass die Kreditkonditionen im Rheinland
weitgehend konstant geblieben sind. Eine Kreditklemme gibt es
faktisch nicht", resümiert Ferger. "Dennoch haben sich
die Konditionen bei zahlreichen Unternehmen verschlechtert. Dies
betrifft im Wesentlichen die Bereiche Sicherheiten, Zinsen,
Dokumentationspflichten sowie die Konditionen für
Kreditversicherungen."
Trotz der langen Talfahrt zeigt
sich der Arbeitsmarkt im Rheinland robust. Die Arbeitslosenquote im
Rheinland stieg im Vergleich zum Vorjahr nur um 0,2 Prozentpunkte.
Grund dafür ist die Wirkung der Kurzarbeitsregelung, die jedoch in
vielen Betrieben in den kommenden Monaten ausläuft. "Die
Unternehmen haben ihre Belegschaft bewusst gehalten, um im kommenden
Aufschwung ausreichend Fachkräfte zu haben. Dennoch darf man nicht
vergessen: Ohne eine weitere positive Konjunkturentwicklung belastet
die Kurzarbeit die Substanz der Unternehmen", so Ferger
abschließend.
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