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NRW & DEUTSCHLAND
IHKs legen Konjunkturbericht vor: 
Wirtschaft erwartet nur langsame Erholung

MAAS RHEIN. "Das Jahr 2010 wird durch einen vermutlich langwierigen Erholungsprozess geprägt sein. Mehr als ein Drittel der Unternehmen erwartet eine Verbesserung der gegenwärtigen Lage, während jeder fünfte Betrieb mit einer erneuten Eintrübung rechnet", fasst Dr. Dieter Porschen (Foto), Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Kammern Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein zusammen. Die konjunkturelle Talfahrt zwischen Viersen und Velbert habe sich zwar weiter verlangsamt, aber noch nicht zu einer befriedigenden Lageeinschätzung der Unternehmen geführt. Mit 32 zu 17 Prozent würden noch die Betriebe überwiegen, die ihre derzeitige Situation eher kritisch beurteilen. Beteiligt haben sich an der jüngsten IHK-Umfrage rund 950 Unternehmen mit zusammen fast 110.000 Beschäftigten. "Die Wirtschaftskrise war zu stark, als dass der Markt sich wie Phönix aus der Asche erheben könnte. Dennoch steigt der IHK-Geschäftsklimaindex langsam, aber kontinuierlich an", so Porschen weiter. 

Gegenüber Spätsommer 2009 sei der Indexwert von 90 Prozentpunkten auf den neutralen Wert 100 gestiegen. Anlass zu Sorge bereite die nach wie vor geringe Kapazitätsauslastung. Diese liege mit knapp 73 Prozent nur wenig über ihrem historischen Tiefpunkt vom Spätsommer 2009. "Angesichts dieser unbefriedigenden Auslastung der Produktionsfaktoren bleibt auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen zunächst noch verhalten", erklärt Porschen. Das zeige auch die IHK-Umfrage, nach der in etwa eine gleiche Zahl von Betrieben ihre Investitionsaktivitäten steigern wie verringern möchte. "Es ist jedoch positiv, dass die Investitionen in diesem Jahr per Saldo wohl nicht noch einmal zurückgefahren werden. Überdies möchten immerhin 21 Prozent der Unternehmen in neue Kapazitäten investieren. Das ist ein Indiz für die Erholung der Wirtschaft in kleinen Schritten", so Porschen. Einen weiteren Hoffnungsschimmer für eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage sieht Porschen darüber hinaus in den erneut anziehenden Märkten der asiatischen Schwellenländer. Diese könnten für die exportstarke Wirtschaft in der Region Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein einen positiven Konjunkturimpuls auslösen. Doch auch die Inlandskonjunktur werde in diesem Jahr ihre Wirkung auf die regionale Wirtschaft entfalten, allerdings mit unterschiedlichen Vorzeichen. So seien die kommunalen Investitionsprogramme aus dem nationalen Konjunkturpaket im vergangenen Jahr zwar nur stockend angelaufen, hätten aber zuletzt die Bauwirtschaft merklich stabilisiert. "Das Baugewerbe ist die einzige Branche, die insgesamt derzeit mit ihrer Geschäftslage zufrieden ist. Umgekehrt befürchtet die Baubranche als einzige per Saldo für das laufende Jahr eine Verschlechterung ihrer Lage. Ohne die öffentlichen Investitionsmaßnahmen würde es allerdings noch etwas kritischer aussehen", so Porschen. Neben den verhaltenen Chancen gelte es darüber hinaus, auch die Risiken im Blick zu behalten. Denn produzierende und produktionsnahe Branchen würden sich erneut gestiegenen Rohstoff- und Energiepreisen ausgesetzt sehen. Und die konsumnahen Branchen befürchteten ein merkliches Abflauen des privaten Konsums aufgrund steigender Arbeitslosigkeit, stagnierender Einkommen und vorgezogener Käufe (Stichwort: Abwrackprämie). 

"Alles in allem wird die Beschäftigung im Jahr 2010 weiter sinken. Ein Viertel der Unternehmen muss seine Mitarbeiterzahl reduzieren, 15 Prozent gehen von mehr Personal aus. Angesichts der Tiefe der Krise muss man diesen Rückgang jedoch moderat nennen, zumal die Betriebe aufgrund des fortschreitenden Fachkräftemangels bedacht sind, so weit irgend möglich ihre Stammbelegschaft zu halten", erklärt Porschen. Als weiteres Risiko für die wirtschaftliche Erholung wird in der Öffentlichkeit eine mögliche Kreditklemme diskutiert. "Derzeit lassen sich aus den Umfrageergebnissen aber keine Hinweise daraus ableiten, dass die Kreditvergabe die Konjunkturerholung bereits verhindert", betont Dr. Udo Siepmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. So berichteten 69 Prozent der Betriebe von gleich gebliebenen oder sogar verbesserten Konditionen ihrer Hausbanken. Dies sei der höchste Wert seit einem Jahr. Nur gut drei Prozent der Betriebe hätten eingeräumt, Kredite abgelehnt oder nicht verlängert bekommen zu haben. Dies betreffe in erster Linie die Bauwirtschaft (acht Prozent von 39 befragten Betrieben), während umgekehrt im Großhandel der Anteil der Unternehmen mit verbesserten Konditionen am Höchsten sei (elf Prozent von 205 befragten Betrieben). Insgesamt könne aber noch keine Entwarnung gegeben werden. Denn immerhin habe sich im Vorjahresvergleich bei einem Drittel der Betriebe die Liquiditätsreserve verringert, und bei gut jedem zehnten werde die Liquidität sogar langsam knapp. "Hier kommt es in den nächsten Wochen und Monaten entscheidend darauf an, dass den Kreditinstituten der schwierige Spagat zwischen erhöhter eigener Risikovorsorge und einer angemessenen Liquiditätsversorgung der Wirtschaft gelingt", zeigt Siepmann die Schwierigkeiten auf. Sonst könne der Aufschwung ein schnelles Ende finden, bevor er richtig begonnen habe.

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