Lage der Wirtschaft in
Nordrhein-Westfalen besser als erwartet
MRZ. "Zu Beginn des
Jahres 2010 zeigen sich Wirtschaft und Arbeitsmarkt in
Nordrhein-Westfalen in deutlich besserer Verfassung als viele
Fachleute noch vor zwölf Monaten vermutet hatten. Das zeigt:
Gewerkschaften und Unternehmen waren mit den außerordentlich
flexiblen Tarifverträgen, die sie nach der letzten Rezession
ausgehandelt haben, bestens auf die aktuelle Krise vorbereitet.
Bundes- und Landesregierung haben diesen Prozess durch eine Vielzahl
von Maßnahmen flankiert und wir werden weiter gemeinsam mit den
Sozialpartnern alles tun, um auch die kommenden Monate zu
bewältigen. Dabei ist mir nicht wichtig, wer den größeren Anteil
am Erfolg hat, wichtig ist nur, dass es weiterhin gelingt." Das
erklärte Wirtschaftsministerin Christa Thoben bei der Vorstellung
des Jahreswirtschaftsberichts 2010.
Die Wirtschaft in
Nordrhein-Westfalen wird sich nach Einschätzung des Präsidenten
des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung
Essen (RWI), Prof. Christoph M. Schmidt, auch im Jahr 2010
voraussichtlich wieder genauso entwickeln wie im Bundesgebiet. Für
den Bund hat das RWI ein Wachstum der Wirtschaftsleistung von 1,6
Prozent prognostiziert: "Nordrhein-Westfalen hält seit einigen
Jahren Schritt mit der Entwicklung im Bund. Das zeigt, dass die
Sonderfaktoren, die uns früher hier an Rhein und Ruhr belastet
haben, keine große Rolle mehr spielen. Insgesamt geht es langsam
aufwärts, es ist sogar durchaus denkbar, dass wir eine kleine
Überraschung erleben und sich die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen
besser entwickelt als erwartet", so der RWI-Chef.
Der Grund: Genauso wie die stark
exportabhängige Wirtschaft des Landes wegen des Zusammenbruchs des
Weltmärkte besonders schnell in Mitleidenschaft gezogen worden ist,
könnte sie jetzt bei einer Besserung der internationalen Situation
eher davon profitieren als andere. Nach Auffassung von Prof.
Christoph M. Schmidt wird es mittelfristig vor allem darauf
ankommen, dass die politisch Verantwortlichen den richtigen
Zeitpunkt finden, sich aus den seiner Ansicht nach noch
erforderlichen Unterstützungsmaßnahmen für die Wirtschaft zu
verabschieden und sich wieder der Haushaltskonsolidierung
zuzuwenden.
Der Arbeitsmarkt in
Nordrhein-Westfalen ist 2009 stabil geblieben. Trotz der weltweiten
Finanz- und Wirtschaftskrise beträgt die Arbeitslosenquote im
Jahresdurchschnitt 8,9 Prozent. Seit August (9, 2 Prozent) ist die
Quote nicht mehr gestiegen, sondern zuletzt auf 8,7 Prozent im
Dezember gesunken. Im Jahresmittel waren in Nordrhein-Westfalen im
Jahr 2009, wie vom RWI im Januar 2009 prognostiziert, rund 42.000
Menschen mehr ohne Beschäftigung als im Jahr 2008.
Bis zum Jahreswechsel haben mehr
als 13.000 kleine und mittlere Unternehmen im Land die Förder-,
Kredit- und Bürgschaftsprogramme der Kreditanstalt für
Wiederaufbau, der NRW.Bank und der Bürgschaftsbank des Landes bzw.
Landesbürgschaften (Volumen von mehr als 1,25 Millionen Euro) in
Anspruch genommen.
Beste Chancen hat die Industrie des
Landes auf den internationalen Märkten für globale Überleben
stechnologien. Nach einer Studie von Prof. Dr. Björn Bloching von
der Roland Berger Unternehmensberatung ist Nordrhein-Westfalen als
Industriestandort bereits heute "exzellent" in den
globalen Überlebenstechnologien positioniert. Nach den Befunden des
Hamburger Wissenschaftlers zieht sich die zentrale Stärke der
Wirtschaft Nordrhein-Westfalens auf diesen Märkten durch alle
Unternehmensgrößen - vom Handwerk über den stark aufgestellten
Mittelstand bis hin zu den global agierenden Konzernen.
Deren Wachstumspotentiale sind
beträchtlich: So sollen allein in den USA in den nächsten zehn
Jahren mindestens 150 Milliarden US-Dollar in einen umfassenden
ökologischen Umbau der Wirtschaft investiert werden. Für
Deutschland rechnen Studien bis 2020 mit Investitionen der Kommunen
von mehr als 700 Milliarden Euro in eine umweltschonende
Infrastruktur. Die chinesische Regierung will im gleichen Zeitraum
300 Milliarden in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren.
Allerdings könne diese industriepolitische Stärke
Nordrhein-Westfalens nur erfolgreich genutzt werden, wenn der
entsprechende Ausbau der industriellen Kapazitäten gesellschaftlich
akzeptiert werde. Dabei mangele es in Deutschland an vielen Stellen,
die Bedeutung der Industrie für den Wohlstand der Gesellschaft,
für Wachstum und Beschäftigung werde oft genug noch verkannt.
Wirtschaftsministerin Christa
Thoben erklärte dazu: "Wir wollen diese Chance nutzen. Deshalb
haben wir im vergangenen Sommer zusammen mit Gewerkschaften,
Unternehmen, Wirtschaftsverbänden sowie Industrie- und
Handelskammern die "Allianz Pro Industrie und
Nachhaltigkeit" ins Leben gerufen, mit der sich alle
Beteiligten zum Industriestandort Nordrhein-Westfalen bekennen. Wir
wissen, dass die großen Menschheitsprobleme - Hunger, Durst,
Gesundheit oder Klimaschutz - Dimensionen haben, die nur mit
industriellen Lösungen bewältigt werden können. Hier liegen
unglaubliche Wachstum-, Export- und Beschäftigungschancen, für die
wir Akzeptanz und Unterstützung brauchen."
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