IHK-Leitbild zur
Verkehrsentwicklung:
"Wir brauchen einen bedarfsgerechten Ausbau"
MAAS RHEIN. Die Industrie-
und Handelskammern im Rheinland haben ihr Verkehrsleitbild Rheinland
vorgestellt, das Perspektiven bis ins Jahr 2025 aufzeigen soll und
Neu- und Ausbauforderungen der IHKs Aachen, Bonn/Rhein-Sieg,
Düsseldorf, Köln und Mittlerer Niederrhein auflistet. "Wir
wissen, dass gut ausgebaute Infrastrukturen zu den bedeutendsten
Standortfaktoren gehören", betonte Dr. Herbert Ferger,
Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Köln,
und fügte hinzu: "Und wir wissen auch, dass das
Verkehrsaufkommen trotz der Krisenzeiten langfristig enorm wachsen
wird." Das Rheinland, in dem sich eine Vielzahl von Autobahnen
und Schienenstrecken bündeln und sich mit den Luftverkehrs- und
Binnenschifffahrtsangeboten verknüpfen, werde von diesem Wachstum
besonders profitieren können. Diese Chance könne aber nur genutzt
werden, wenn man die Infrastruktur dem wachsenden Bedarf anpasse.
Ferger: "Die Kammern haben rund 30 Infrastrukturprojekte
identifiziert, die als Neu- oder Ausbau Netzwirkungen entfalten und
somit zur Bewältigung des prognostizierten Verkehrsaufkommens
beitragen." Der Bundesverkehrswegeplan rechnet beim
Verkehrsaufkommen mit einer Steigerung von 79 Prozent im
Straßengüterverkehr. In gleichem Maße werde der
Seehafen-Hinterlandverkehr von und zu den Nordseehäfen Zeebrügge,
Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam anwachsen. Damit dürften die
Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur deutlich zunehmen.
"Wir brauchen deshalb den bedarfsgerechten Ausbau aller
Verkehrsträger", stellte Wolfgang Stromps, Vizepräsident der
IHK Mittlerer Niederrhein, fest: "Die Verkehrsinfrastruktur ist
chronisch unterfinanziert. Um den Investitionsbedarf zu decken,
müssen im Bundeshaushalt jährlich 12 Mrd. Euro bereitgestellt
werden." Die IHKs im Rheinland fordern unter anderem den
Lückenschluss der A 44 zwischen Ratingen-Ost und Velbert. Im
Schienenverkehr setzen sich die Industrie- und Handelskammern für
die Schaffung von leistungsfähigen Verbindungen zu den Seehäfen
Rotterdam (Betuwe-Linie) und Antwerpen (Eiserner Rhein) sowie die
Realisierung des Rhein-Ruhr-Expresses und der Circle-Linie aus.
Ferner soll die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Köln, Aachen
und Brüssel vollendet werden. Das Verkehrsleitbild Rheinland sieht
des weiteren eine bessere Verknüpfung der Verkehrsträger vor und
lehnt einen umweltpolitischen Aktionismus ab: "Umweltschutz
muss an der Quelle ansetzen, dafür sind aber technische
Innovationen notwendig", heißt es im Positionspapier. Die IHKs
sprechen sich für die Ausweisung von Gewerbeflächen entlang der
Verkehrsachsen, einen stärkeren Wettbewerb im ÖPNV sowie die
Sicherung der Binnenhäfen und der Flughafenstandorte aus. Die
Innenstädte müssten als Orte des Handels, der Dienstleistung, der
Kultur, des Wohnens und der Freizeit durch öffentlichen und
individuellen Verkehr erreichbar bleiben.
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