NRW-Finanzminister
Linssen gegen weitere Fördermaßnahmen
NRW.
Der nordrhein-westfälische Finanzminister Helmut Linssen (CDU)
spricht sich gegen weitere rasche Maßnahmen zur Stützung der
Unternehmen aus. Nun müsse es zunächst darum gehen, die durch das
Konjunkturpaket entstandenen Schulden schnell zu tilgen, sagte
Linssen in einem Interview mit dem deutsch-niederländischen
Wirtschaftsmagazin ‘DNHK markt’. „Das Motto lautet: In der Krise Gas geben, danach wieder konsolidieren“,
so Linssen. In der aktuellen Situation glaubten offenbar viele
Politiker, dass das Geld vom Himmel falle. „Wir sollten uns aber
in ganz Deutschland hüten, immer wieder über weitere Maßnahmen zu
spekulieren“, betonte der Minister.
Linssen reagierte auch auf Kritik aus den Niederlanden, wo
Deutschland noch vor Kurzem zu wenig Initiative bei der Stützung
der Wirtschaft vorgeworfen worden waren. Der niederländische
Finanzminister Wouter Bos (PvdA) habe das deutsche Auftreten in der
Krise zwar zunächst kritisch beurteilt, räumte Linssen ein.
„Auch er ist aber heute der Meinung, dass wir mit 80 Mrd. Euro in
zwei Jahren die Grenze des Möglichen erreicht haben. Die europäische
Konjunkturlokomotive Deutschland kann uns muss momentan nicht mehr
leisten.“
Linssen betonte, dass Nordrhein-Westfalen und die
Niederlande in der Krise gut zusammenarbeiten. Die Niederlande seien
bei der Verstaatlichung von Banken zwar „rasant“ tätig
geworden. „Aber wenn man nur die Wahl zwischen Skylla und
Charybdis hat, muss man sich eben entscheiden. Die Insolvenz einer
großen Bank würde das Wirtschaftsleben weit stärker erschüttern“,
so der Minister.
Nordrhein-Westfalen wolle nun die Ausgaben, die durch das
Investitionsprogramm für die Kommunen entstehen, gemeinsam mit den
Städten und Gemeinden zurückzahlen. Dafür werde ein Tilgungsfonds
nach dem Vorbild des Bundes eingerichtet. Angesichts der
angespannten Finanzlage bleibe für zusätzliche Wirtschaftsförderprogramme
kaum Raum. „Ich denke auch nicht, dass solche Förderprogramme über
einen Standort entscheiden“, betonte Linssen. Wichtiger sei es,
die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. Finanzpolitische Solidität
strahle gegenüber investitionsbereiten Unternehmen mehr aus als
Subventionen. „NRW hat 18 Mio. Einwohner, exzellente Technologien,
hervorragende logistische Anbindungen und eine starke
Konsumnachfrage“, so der Minister. „Das dürfte für Investoren
schwerer wiegen als billige Mitnahmeeffekte.“
2008 musste Nordrhein-Westfalen rund 1,3 Mrd. Euro für
die ins Schleudern gekommene WestLB und andere Risiken der
Finanzmarktkrise übernehmen. Zudem muss das Bundesland 500 Mio.
Euro Steuern erstatten, nachdem das Bundesverfassungsgericht die
Abschaffung der Pendlerpauschale für verfassungwidrig erklärt hat
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