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Landtag:
Große Debatte ums große Geld
NRW. "NRW
stürzt ab“, „Regierungsverweigerung“, so die Opposition in
der abschließenden Generaldebatte zum Haushalt. „Nordrhein-Westfalen
handelt bundesweit vorbildlich“, schallte es aus dem
Regierungslager zurück. Trotz teilweiser Übereinstimmung in der
Analyse der aktuellen Wirtschaftskrise bot die dritte Lesung zum
Haushalt 2009 die Gelegenheit, sich über unterschiedliche
Lösungswege, aber auch über die grundlegende Ausrichtung in der
Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik streitig auseinanderzusetzen.
„Reine
Makulatur“, so die Bewertung von Hannelore Kraft,
SPD-Fraktionsvorsitzende, zum vorliegenden Haushalt. Trotz 7,5
Milliarden Euro mehr Steuereinnahmen von 2005 bis 2008 steige die
Neuverschuldung auf die „Rekordsumme“ von 120,5 Milliarden Euro
– „und das Ende ist immer noch nicht erreicht“. NRW sei 2008
wieder zum Nehmerland im Länderfinanzausgleich geworden. All dies,
obwohl ein eigenes Konjunkturprogramm des Landes fehle. Die
Wirtschaftskrise – auch eine „Vertrauenskrise“ gegenüber der
Politik – lasse sich laut Kraft nur dadurch überwinden, dass
Grundorientierungen korrigiert würden. Man müsse verhindern, dass
trotz Defizit weiter Bonuszahlungen an Manager gezahlt würden.
Ebenso müsse die steuerliche Abzugsfähigkeit von deren Gehältern
und Abfindungen begrenzt werden. Und schließlich sei die Haftung
für Fehlentscheidungen der Unternehmensleitungen zu verstärken.
Wie bei den „unanständig hohen Einkommen“ verlangte Kraft auch
Nachbesserungen bei „unanständig niedrigen Einkommen“. Zum
Beispiel müssten Mindestlöhne für Leih- und Zeitarbeitnehmer
eingeführt werden. Insgesamt trat Kraft für grundlegende
Strukturveränderungen zur Verbesserung der Lage von Mittelstand und
Handwerk ein. Die „Ziel-2-Förderung“ (von Mittelstand und
Handwerk) sei zu langsam und zu kompliziert, der Bürokratieabbau
habe noch nicht richtig begonnen, so ihre Kritik an der
gegenwärtigen Regierung. Diese habe zudem den Kommunen rund 1,8
Milliarden Euro „weggenommen“. Außerdem seien im „angeblichen“
Schwerpunkt Kinder und Bildung die Haushaltsmittel nicht real
erhöht worden. Und die Streichung der Hilfen für Obdachlose spotte
jeder Beschreibung. Vor dem Hintergrund der Krise in Wirtschaft und
Gesellschaft der Appell der Oppositionsführerin zu
parteiübergreifendem Handeln: „Lassen Sie uns gemeinsam neue
Chancen schaffen.“
„Maßlos
unseriös“ fand Helmut Stahl, CDU-Fraktionsvorsitzender, die
Forderungen und die Kritik der SPD-Fraktion. Die Menschen in
Nordrhein-Westfalen würde in Zeiten der Finanzkrise vielmehr
interessieren, „was mit Wirtschaft, mit Arbeitsplätzen und mit
Wohlstand passiert“. Die schwarz-gelbe Landesregierung setze alles
daran, die Folgen der Krise zu bewältigen, betonte der
Christdemokrat. Als „Koalition der Erneuerung“ hätten CDU und
FDP schon frühzeitig Tatkraft gezeigt und entsprechende Maßnahmen
wie etwa den Risikoschirm für die Westdeutsche Landesbank auf den
Weg gebracht. So leiste Nordrhein-Westfalen einen Gesamtbeitrag von
über sieben Milliarden Euro, um die Krise abzufedern. Dies sei eine
„verdammt große Summe“, meinte Stahl und fand zugleich,
Nordrhein-Westfalen handle bundesweit vorbildlich. Wer Verantwortung
für das Land tragen wolle, müsse Finanz-, Wirtschafts-, Bildungs-
und Führungskompetenz unter Beweis stellen, so sein Credo. Während
die Regierungskoalition von CDU und FDP diese Kompetenzen vereine,
präsentiere sich die SPD „führungslos, orientierungslos und
chancenlos“, erklärte Stahl. Die Opposition versuche nur, „durch
das Land zu ziehen und Ängste zu schüren“, doch mit dieser
Kritik beispielsweise am Sparkassengesetz oder am
Kinderbildungsgesetz hätten die Sozialdemokraten versagt. Die CDU
dagegen als Repräsentantin der Sozialen Marktwirtschaft sei „gut
für Nordrhein-Westfalen“, da sie mit der Landesregierung von
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers für Seriosität, Klarheit und
Stabilität stehe. Jetzt komme es darauf an, die Fundamente für
einen neuen Aufschwung und für neue Investitionen in die Zukunft zu
gießen, sagte Stahl. „Die Menschen in Nordrhein-Westfalen haben
uns an ihrer Seite. Wir wissen, dass die Menschen uns vertrauen“,
so sein Fazit.
Die
Konfrontation: Jürgen Rüttgers (CDU) und Hannelore Kraft
In der
Generaldebatte, sagte FDP-Fraktionschef Dr. Gerhard Papke, gehe es
darum, sich auszutauschen, zu diskutieren und zu debattieren über
den besten Weg für die Zukunft des Landes. Die SPD habe aber die
Gelegenheit verpasst, alternative Gestaltungskonzepte vorzustellen.
Er sprach der SPD-Fraktion die Legitimation für ihre Forderung nach
einem "wirklichen Schwerpunkt für Kinder und Bildung" ab.
Immerhin habe die SPD-geführte Vorgängerregierung geplant, ab 2005
bis zu 16.000 Lehrerstellen zu streichen. Die jetzige
Landesregierung hingegen habe inzwischen "netto 6.915
zusätzliche Lehrerstellen" geschaffen. Bei der Betreuung der
Kinder unter drei Jahren habe die Landesregierung die 11.800
Betreuungsplätze unter Rot-Grün fast vervierfacht. Auch der
Vorwurf, die schwarz-gelbe Regierung habe den Kommunen 1,8
Milliarden Euro weggenommen, sei nicht haltbar. Sowohl 2008 als auch
2009 erhielten sie mit 8 Milliarden Euro die höchste Zuweisung aus
dem Gemeindefinanzierungsgesetz, die es jemals gegeben habe. Ohne
die freiwilligen Ausgaben in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für die
zusätzliche Risikovorsorge hätte NRW 2008 erstmals seit 30 Jahren
einen Überschuss erwirtschaftet, lobte Papke den Finanzminister.
Nun sei bewiesen, dass man gleichzeitig investieren und
konsolidieren könne. Papke forderte ein klares Bekenntnis von der
SPD, mit der Linkspartei "niemals" zusammenzuarbeiten, und
kritisierte das Konjunkturpaket der Bundesregierung als nicht
ausreichend: Die Menschen müssten mehr von dem in der Tasche
behalten, was sie erwirtschaftet hätten.
„Nur
eine ökologische Modernisierung der Wirtschaft“, so Sylvia
Löhrmann, Grünen-Fraktionsvorsitzende, „schafft Arbeitsplätze
und bringt das Land auf Kurs in eine gesunde Zukunft.“ Auf all
diesen Feldern habe die Landesregierung versagt und zudem – mit
Blick auf die Schulden, beim Abbau der Arbeitslosigkeit, in der
Bildungspolitik – zentrale Wahlversprechen gebrochen. Schon lange
hätten die Grünen Investitionen in die energetische
Gebäudesanierung, in die kommunale Infrastruktur, in die
Hochschulen und Krankenhäuser gefordert. Jetzt schmücke sich auch
die schwarz-gelbe Regierung damit. Trotzdem konstatierte Löhrmann,
aus ihrer Sicht habe die Landesregierung bisher jede eigene
Anstrengung zur Bekämpfung der Rezession unterlassen: „Die für
die weltweite Finanzkrise hauptverantwortliche marktradikale
Ideologie ist und bleibt Leitlinie der Regierung Rüttgers.“
Demgegenüber forderte die Grünen-Sprecherin, Gelder aus dem
Ziel-2-Programm zu nehmen, um antirezessive Maßnahmen zu
finanzieren, die energetische Sanierung (und barrierefreie sowie
alterssichere Gestaltung) auch im frei finanzierten Mietwohnungsbau
voranzutreiben. Mit einem Umweltwirtschaftsprogramm könnten
grundlegende Weichenstellungen im Bereich der Rohstoff- und
Materialeffizienz, der nachhaltigen Wasserwirtschaft, der
Entsorgungs- und Abfallwirtschaft vorgenommen werden. Insbesondere
kritisierte Löhrmann fehlende Hilfen für überschuldete Kommunen
sowie die Verzögerung des bundespolitisch auf den Weg gebrachten
Investitionspakets durch ein umständliches Nachtragsverfahren zum
Landeshaushalt. Sie fragte nach: „Stimmt NRW jetzt eigentlich im
Bundesrat zu?“
„Wir
schaffen das“, meinte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU).
„Wir müssen zusammenstehen, alle Kräfte bündeln und gemeinsam
gegen die Krise kämpfen“, so sein Appell. Unter anderem mit dem
Rettungspaket für die Banken, mit den Konjunkturpaketen I und II
und mit dem Zukunftspakt für die Kommunen sei es gelungen, ein „Gesamtkonzept“
gegen die Krise aufzustellen. Rüttgers zeigte sich sicher, dass die
auf Bundes- und Landesebene beschlossenen Maßnahmen Wirkung zeigen
würden. Allerdings habe die Krise gerade erst begonnen, machte er
ebenfalls deutlich. Die Sicherung von Arbeitsplätzen und
Unternehmensstandorten, beispielsweise bei Opel in Bochum, habe für
die Landesregierung oberste Priorität. Mit Blick auf die finanziell
schwierige Situation vieler Kommunen hob Rüttgers hervor, die
Landesregierung stelle den Kommunen über 83 Prozent der insgesamt
2,844 Milliarden Euro für NRW aus dem beschlossenen
Konjunkturprogramm zur Verfügung. Das sei im Vergleich zu den
anderen Bundesländern die höchste Quote, so der
Ministerpräsident. Ausdrücklich sprach er sich für eine
Schuldenbremse aus, die Nordrhein-Westfalen notfalls auch ohne
Unterstützung des Bundes umsetzen wolle, „um unseren Kindern und
Kindeskindern keine zusätzlichen Lasten aufzubürden“. Ebenso sei
es erforderlich, über neue Regeln für den privaten wie auch den
öffentlich-rechtlichen Bankensektor nachzudenken, um für ein „Maximum
an Transparenz“ zu sorgen. „Ich habe kein Verständnis dafür,
wenn Institute trotz Krise und Staatshilfen weiter Boni an ihre
Mitarbeiter ausschütten“, unterstrich auch Rüttgers. Mit
Zukunftsinvestitionen in Bildung, Forschung und Innovation wolle die
Landesregierung zeigen: „Es gibt keinen Grund für Furcht und
Angst.“ Das Motto des Ministerpräsidenten: „Zusammen sind wir
stark!“
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