Ergebnisse bei der
Niederrheinischen IHK vorgestellt - IW-Gutachten zur
Verwaltungsstrukturreform NRW:
Dreiteilung des Landes ist nicht empfehlenswert
MRZ. Eine
Umstrukturierung der bisher fünf Bezirksregierungen und der
Landschaftsverbände zu drei neuen Regionalpräsidien ist
unter wirtschaftlichen Aspekten nicht empfehlenswert. Das ist
das Ergebnis einer Studie, die das Institut der deutschen
Wirtschaft (IW), Köln, im Auftrag der Volks- und
Betriebswirtschaftlichen Vereinigung im
Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet durchgeführt hat.
Professor Dr. Michael Hüther, IW-Direktor, stellte ein
entsprechendes Gutachten am 7. November in der
Hauptgeschäftsstelle der Niederrheinischen Industrie- und
Handelskammer in Duisburg vor.
Die Studie mit dem Titel
"Dreiteilung des Landes - Chancen und Risiken für die
Regionen" hat die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und
Zukunftsperspektiven untersucht, die sich durch eine
Neugliederung des Landes ergeben würden. Anhand ökonomischer
und sozialer Indikatoren zeigt das Gutachten, dass eine
Einteilung in die Präsidien Rheinland, Westfalen und das
Ruhrgebiet ein deutliches wirtschaftliches Ungleichgewicht zur
Folge hätte. Zudem würden soziale Risiken regional
konzentriert.
Wie es in der Studie weiter
heißt, steht das Rheinland wirtschaftlich am besten da: Es
wäre die stärkste ökonomische Kraft, bestehend aus den
alten Regierungsbezirken Köln und - in Teilen - Düsseldorf.
Mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 239 Milliarden Euro
entfällt fast die Hälfte der Wirtschaftsleistung auf diese
Region. Dabei profitiert das Rheinland vor allem von der
Vielzahl an Hochqualifizierten, der Ingenieursdichte sowie der
forschenden Unternehmen.
Das Ruhrgebiet hätte
hingegen die ungünstigste Ausgangssituation der drei
Regionen: Es weist die höchste Arbeitslosenquote und den
größten Anteil an Arbeitslosengeld-II-Empfängern auf. Eine
Gliederung des Landes in die drei Regionalpräsidien käme
einer Ballung sozialer Risiken im Ruhrgebiet gleich. "Das
Ruhrgebiet", so das Gutachten, "liegt bei allen
Indikatoren gegenüber dem Rheinland zum Teil deutlich
zurück". Aufgeholt hat das Ruhrgebiet aber bei
Arbeitsmarkt und Wohlstand. Hier entwickelte es sich in den
vergangenen zehn Jahren sogar besser als das Rheinland -
allerdings von einem niedrigeren Niveau ausgehend. Es sei aber
insgesamt absehbar, dass das Ruhrgebiet über einen langen
Zeitraum im Wettbewerb der Regionen nur bedingt
konkurrenzfähig sein werde.
Dr. Stefan Dietzfelbinger,
IHK-Hauptgeschäftsführer und Vorsitzender der Volks- und
Betriebswirtschaftlichen Vereinigung im
Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet: "Die Ergebnisse
sind eindeutig: Eine Dreiteilung schafft Ungleichgewichte und
birgt viele Risiken. Das kann nicht im Interesse der Regionen
sein und auch nicht im Interesse des Landes." Deshalb
sollte die Dreiteilung nicht weiter verfolgt werden.
---
In der Volks- und
Betriebswirtschaftlichen Vereinigung im
Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet ("VV")
haben sich führende Repräsentanten aus Wirtschaft,
Wissenschaft und Politik zusammengeschlossen. Die "VV"
kümmert sich um grundlegende volks- und
betriebswirtschaftliche Fragestellungen in der Region von
Rhein und Ruhr. Sie gibt regelmäßig wirtschaftspolitische
Untersuchungen und Monografien heraus. Sie wurde 1920
gegründet und gehört damit zu den traditionsreichsten
wirtschaftspolitischen Vereinigungen des Landes
Nordrhein-Westfalen. Die Geschäftsführung liegt bei der
Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer
Duisburg-Wesel-Kleve zu Duisburg.
|