Schulden in Höhe von 1,2 Milliarden
Euro:
Zeitpunkt der Überschuldung für 2016 prognostiziert
MG. Die Finanzsituation der
Stadt Mönchengladbach hat sich weiter dramatisch verschlechtert und
wird sich auch in den kommenden Jahren noch verschärfen. Das geht
deutlich aus dem Entwurf für den Doppelhaushalt 2010/2011 hervor, den
Stadtkämmerer Bernd Kuckels gestern in den Rat einbrachte.
Gleichzeitig legte er ein vom Verwaltungsvorstand erarbeitetes
Haushaltssicherungskonzept mit 173 Sparvorschlägen und einem
Einsparvolumen von 168,4 Millionen Euro für die Jahre 2010 bis 2015
vor. Die Entwürfe zum Doppelhaushalt und Haushaltssicherungskonzept
werden nun in den politischen Gremien beraten und sollen in der
Ratssitzung am 7. Juli verabschiedet werden.
Wie sehr sich die Finanznotlage
verschlechtern wird, zeigt ein Blick auf das originäre Defizit, das
von 172,8 Millionen Euro in 2010 auf 186,4 Millionen Euro im Jahr 2014
steigen wird. Mit dem wachsenden Fehlbedarf sinkt zwangsläufig auch
das Eigenkapital von derzeit 915,8 Millionen auf 744,9 Millionen Euro
in 2011. Endgültig verbraucht ist das Eigenkapital, zu dem unter
anderem die städtischen Immobilien, Straßen und Grünanlagen
zählen, im Jahr 2016 mit einem Minus von 160,9 Millionen Euro. In
2010 liegt die Gesamtverschuldung bei 1,2 Milliarden Euro und steigt
bis 2014 auf 1,8 Milliarden Euro. Dementsprechend steigt auch der
Schuldenstand bei den Kassenkrediten von 880,6 Millionen Euro in 2010
auf eine Milliarde Euro in 2011 und 1,5 Milliarden Euro in 2014.
Ähnlich dramatisch entwickelt sich auch der Bedarf neuer Kredite in
den nächsten Jahren. So wächst die Aufnahme neuer Kassenkredite, die
notwendig sind, um konsumtive Ausgaben wie etwa Personalkosten und
Transferleistungen überhaupt noch tätigen zu können, von 133,7
Millionen Euro in 2010 auf 142,3 Millionen in 2011 auf 164,3 Millionen
Euro in 2014 an. Alleine die Zinsaufwendungen für die Kassenkredite
steigen von 8,3 Millionen Euro in diesem Jahr auf über 50 Millionen
Euro in 2014. Angesichts der weiteren Verschlechterung der
Haushaltssituation sinkt dagegen die Aufnahme von Investitionskrediten
in Höhe von 13,3 Millionen Euro in 2010 auf zehn Millionen Euro in
2014.
Der Haushaltsplan 2010 weist
Gesamterträge in Höhe von rund 662 Millionen Euro und Aufwende in
einer Höhe von 834,4 Millionen Euro aus. Dickster Brocken sind hier
die Transferleistungen mit rund 257,8 Millionen Euro (31 Prozent),
gefolgt von Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen in Höhe von
209 Millionen Euro (25 Prozent) und Personalaufwendungen in Höhe von
151,4 Millionen Euro (18 Prozent). Allein die Transferaufwendungen im
Sozialbereich liegen in 2010 bei 116,7 Millionen Euro, Ein deutlicher
Anstieg ist hier bei den Hilfen zur Erziehung erkennbar: Während in
diesem Jahr Kosten in Höhe von 48,3 Millionen Euro anfallen, steigt
die Zahl bis 2014 auf insgesamt 20,2 Millionen Euro an. Bei der
Kostenübernahme für Unterkunft- und Heizkosten an Hartz
IV-Empfänger steigen die Aufwendungen von 89,2 Millionen Euro in 2010
bis zum Jahr 2014 auf 96,6 Millionen Euro steigen werden.
Die Summe der Investitionen sinkt von
42,8 Millionen Euro in 2010 auf sieben Millionen in 2014. Ab dem Jahr
2013, also drei Jahre vor der prognostizierten Überschuldung, tritt
die Stadt, so Stadtkämmerer Bernd Kuckels, "in den Zustand der
Überschuldung". Will heißen: Ab dann müssten alle freiwilligen
Leistungen eingestellt werden.
Zu den neu veranschlagten
Investitionsmaßnahmen mit einem Volumen von über einer Million Euro
zählen unter anderem die energetische Sanierung des Schulzentrums
Mülfort (7,9 Millionen Euro Investition/2,8 Millionen Euro
Eigenanteil), der Einbau einer Brandmeldeanlage in der
Zentralbibliothek (1,8 Mio/ 1,8 Mio), der Campuspark einschließlich
Pahlkebad (8,9 Mio/ 7,6 Mio), das Innenstadtkonzept Rheydt (15,9 Mio/
3,2 Mio) sowie die Nordspangen-Verlängerung des Nordrings (9,5 Mio/
3,3 Mio) und eine neue Busshuttlestrecke Nordpark (1,5 Mio/ 1,5 Mio).
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