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Kreisetat am Limit - Kommunen
werden maximal entlastet
KREIS WESEL. Einstimmig
verabschiedete der Kreistag am Donnerstag, 13. März, den ersten vom
neuen Kreiskämmerer Peter Giesen und seinem Team vorgelegten
Kreishaushalt. Lediglich FDP und VWG enthielten sich bei der
Abstimmung. Dabei verringerte man die Zahllast der Kommunen um 1
Mio. Euro und ging damit ans maximal mögliche Limit. Der Haushalt
umfasst knapp 443 Mio. Euro im Verwaltungs- und 22,4 Mio. Euro im
Vermögenshaushalt.
Einstimmig stimmte man dem
vorgelegten Stellenplan, der um 2 Stellen "Frau und Beruf"
erweitert worden war, mit nunmehr 952,6 Stellen zu. Landrat Dr.
Ansgar Müller erinnerte den Kreistag daran, diese neuen Stellen
beim verabschiedeten Personalentwicklungskonzept entsprechend zu
berücksichtigen und der Verwaltung später nicht vorzuwerfen, dass
sie die gesetzten Ziele deshalb nicht einhalte.
In seiner Haushaltsrede ging Dr.
Hans-Georg Schmitz (CDU) auf die LVR-Umlage ein, die wegen der
Finanzierung zur West-LB Krise nur auf 15,85 % gesenkt wurde. Dies
sei ein "böser Schlag gegen - auch - unsere
Kreisfinanzen", so Dr. Schmitz, der aber zu seinem gegebenen
Wort stand, und deshalb vorschlug, die Zahllast der Kommunen um 1
Mio. Euro zu senken. Außerdem führte er aus: "Die Erlöse aus
dem RWE-Aktienverkauf sind nicht zum Verteilen da, also tabu; sie
dienen zur Entschuldung und Konsolidierung, und das liegt im
wirklichen Interesse auch der Kommunen." Weiter sagte er:
"An christlichen Werten orientierte Politik sorgt sich
besonders um die Schwachen, um die, welche der Hilfe der
Gemeinschaft bedürfen. Das Jahr 2008 wird ein Jahr des Einsatzes
und des konzeptionellen Handelns für die Jüngsten und für die
Älteren sein."
Hellmut Fischer (SPD) bedauerte,
dass der LVR seine Umlage nicht um 1 Prozent, sondern lediglich um
0,65 % senke. "Das bedeutet, der Kreis Wesel muss 1,9 Mio. Euro
mehr zahlen als geplant." Dennoch sprach er sich auch für eine
maximale Entlastung der Kommunen aus und unterstützte den
Vorschlag, die Zahllast für die Kommunen um 1 Mio. Euro zu
reduzieren. Fischer kritisierte die zahlreichen Verschiebungen der
finanziellen Verantwortung von Bund und Land an die Kommunen. Diese
Kostenbelastungen seien durch den Kreis nicht beeinflussbar.
Eigentlich müsse der Grundsatz gelten "Wer die Musik bestellt,
muss sie auch bezahlen." Den Kreishaushalt dürfe man aber
nicht nur unter fiskalischen Gesichtpunkten betrachten. "Der
Kreis Wesel hat als eine der wichtigsten Aufgaben, die größten
Lebensrisiken der Bürgerinnen und Bürger abzusichern."
Für Hubert Kück (Grüne) ging der
Haushalt im doppelten Sinne "ans Eingemachte". Er verwies
auf einen Einnahmeverlust von 3,4 Mio. Euro (Grundsicherung,
Verwaltungsstrukturreform, Kosten für Unterbringung und Heizung
gemäß SGB II), wobei die zusätzlichen Belastungen "durch den
unsozialen Torso KiBiz" sich noch nicht genau beziffern
ließen. "Bund und Land NRW legen die Axt an den Lebensnerv von
Kreisen und Kommunen." Kück verwies auf die erfolgreichen
Bemühungen zur Entschuldung und zur Entlastung der Kommunen. Die
schlechte Beurteilung des Kreises im Familienatlas sei für die
Grünen Anlass, familienfördernde Maßnahmen zu unterstützen.
Dabei sprach er ein beitragsfreies Kindergartenjahr genauso an, wie
die Fachstelle "Frau und Beruf".
Dr. Michael Terwiesche (FDP)
plädierte für "kurze, knackige Haushaltsreden", auf die
man sich gemeinsam einmal geeinigt habe. Er mahnte Kennzahlen,
Zielvereinbarungen und Transparenz bei allen Projekten an, die der
Kreis unterstütze. Den Verkauf von RWE-Aktien bezeichnete er als
richtige Entscheidung, die die FDP ebenso unterstütze, wie den
moderaten Stellenabbau. Für die FDP sei der Kreis aber kein
Reparaturbetrieb für familiäre Probleme, weshalb man den Antrag
des Sozialdienstes Katholischer Frauen hierzu auch ablehnen werde.
Genauso lehne man die finanzielle Unterstützung für die
Renovierung der ev. Kirche Orsoy mit 10.000 Euro ab, weil dies nun
einmal ebenso wenig eine Kreisaufgabe sei, wie die Förderung des
kulturellen Zentrums am Kloster Kamp.
Für Martin Kuster (VWG) schien
beim Kreis "der Wohlstand" ausgebrochen zu sein. Dies
verdeutlichte er an einigen Anträgen, die die VWG nicht
unterstützen könne: Den CDU-Antrag zur Unterstützung für die
Renovierung der ev. Kirche Orsoy, den SPD-Antrag zum Programm
"Für Vielfalt, Toleranz und Demokratie" und den
Grünen-Vorschlag eines kostenlosen Kindergartenjahres. Die VWG
unterstütze auch zukünftig den Nachhaltigkeitsgedanken, setze auf
kreative Ideen und starte deshalb zum Beispiel im Internet eine
Kampagne zur Einführung der Familienkarte.
Kreiskämmerer Peter Giesen wies
darauf hin, dass durch die zusätzliche Entlastung der Kommunen um 1
Mio. Euro der maximal mögliche Rahmen ausgeschöpft sei. Die
Kreisumlage würde nunmehr 39,3 % betragen, und in der Rücklage
befänden sich nur noch gut 250.000 Euro. Damit habe der Kreis keine
Reserven mehr, deshalb 2008 müsse alles nach Plan laufen.
Mit den Stimmen von CDU, Grünen
und FDP, bei Enthaltung der VWG und Gegenstimmen der SPD
verabschiedete der Kreistag anschließend noch eine von der FDP
eingebrachte Resolution zum sofortigen Stopp des Bergbaus in der
Region.
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